Rhein-Neckar-Kreis: Alleinerziehende bekommen mehr Geld

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eit 1. Juli kommen mehr Alleinerziehende dank einer in Kraft getretenen Gesetzesänderung in den Genuss staatlicher Unterstützung, wenn der andere Elternteil seiner Unterhaltsverpflichtung nicht nachkommt. Bis zur Volljährigkeit des Kindes soll der Unterhaltsvorschuss ausgeweitet werden.

„Bislang zahlte der Staat diese Ersatzleistung höchstens sechs Jahre lang und für Elternteile mit Kindern ab zwölf Jahren gar nicht“, erklärt Stefanie Braner-Pöltl, stellvertretende Leiterin des Jugendamtes im Landratsamt Rhein-Neckar-Kreis, die bisherige Regelung

Unterhaltsvorschuss als Absicherung

„Alle Kinder haben unabhängig vom Alter und Trennungszeitpunkt ihrer Eltern, einen Bedarf, der einfach gedeckt werden muss. Dieser Vorstoß ist daher ein Schritt in die richtige Richtung“, so Braner-Pöltl. „Denn Kinderarmut ist ganz wesentlich auf die Armut von Alleinerziehenden zurückzuführen. Dabei sind die fehlenden oder nicht ausreichenden Unterhaltszahlungen das größte Problem. Immer noch arbeiten vor allem viele Mütter in Teilzeit, um Arbeit und Familie managen zu können. Doch das Einkommen reicht meist nicht, um den eigenen Unterhalt und den der Kinder zu decken. Der Unterhaltsvorschuss sichert sie verlässlich ab“, weiß die Leiterin des Kreisjugendamtes, Susanne Keppler.

„Allerdings fordert uns die Neuregelung personell wie organisatorisch einiges ab“, so Keppler und Braner-Pöltl. Denn das Jugendamt des Landratsamtes Rhein-Neckar-Kreis erwartet zwangsläufig einen Ansturm von Neuanträgen für Kinder zwischen zwölf und 17 Jahren. Und auch das Jobcenter ist von der Gesetzesänderung betroffen: Künftig ist für Kinder ab zwölf Jahren vorgesehen, dass für sie kein Unterhaltsvorschuss bezahlt wird, wenn sie Leistungen vom Jobcenter erhalten – es sei denn, der alleinerziehende Elternteil verdient mehr als 600 Euro brutto im Monat. „Das muss jedoch zunächst geprüft werden, sodass auch bei uns ein Mehraufwand entstehen wird“, erklärt der Geschäftsführer des Jobcenters Rhein-Neckar-Kreis, Norbert Hölscher.

Leben die Elternteile zwar voneinander getrennt, ist aber der betreuende Elternteil mit einem neuen Partner verheiratet, so besteht kein Anspruch auf Unterhaltsvorschuss. Einkünfte wie Halbwaisenrente und künftig eigenes Einkommen des Kindes nach Abschluss der Schulausbildung sind grundsätzlich beim Unterhaltsvorschuss zu berücksichtigen.