Nummer gegen Kummer

Seit Jahrzehnten bietet die Nummer gegen Kummer anonyme Beratung in schwierigen Alltagssituationen – doch was und vor allem wer steckt eigentlich hinter diesem bekannten Angebot?
„Hallo! Ich kenn da einen Jungen, den ich voll süß finde, ich glaube sogar, ich bin in ihn verliebt! Aber ich glaube, er mag mich nicht bzw. er kennt mich eigentlich gar nicht! Nur so vom Sehen her! Was soll ich machen??“ – Solche und andere Anfragen gehen tagtäglich beim Kinder- und Jugendtelefon, besser bekannt als die Nummer gegen Kummer, von hilfesuchenden Jugendlichen ein. Das Kinder- und Jugendtelefon (KJT) ist ein Gesprächsangebot an Kinder und Jugendliche jeden Alters. Es ist leicht erreichbar und garantiert den Anrufenden absolute Anonymität.

Nicht nur unter Kindern und Jugendlichen steigt der Bedarf an Beratung, auch verunsicherte Eltern, Großeltern und Erziehende suchen Hilfe und Orientierung in der Fülle der Anforderungen durch Schule und Ausbildung auf der einen Seite und dem Dschungel widersprüchlicher Medienberichte auf der anderen. Besonders der Umgang mit neuen Medien, die den Kindern häufig bekannter sind als den Eltern, wirft hier viele Fragen auf. Parallel zum KJT existiert deshalb an fünf Tagen in der Woche das Angebot des Elterntelefons (ET).

Speziell geschulte BeraterInnen bemühen sich am Ende der Leitungen des KJT und ET im Gespräch um Respekt, Interesse, Unvoreingenommenheit und Wertschätzung. So kann ein öffnender Dialog mit dem Anrufer entstehen. Im Laufe des Gesprächs versuchen die BeraterInnen, sich durch das Klären der Umstände einen „Auftrag“ abzuholen, um der Beratung eine innere Struktur zu geben. Ziel ist immer, gemeinsam mit den AnruferInnen, Klarheit zu schaffen, eigene Ressourcen aufzufinden und zu stärken. Obwohl ein lösungsorientierter Ansatz verfolgt wird, der auf das Herausfinden praktikabler Handlungsmöglichkeiten abzielt, liegt der Fokus der Beratung vor allem darin, den Anrufern beim Heraustreten aus gewohnten Sichtweisen zu helfen. Auch ein Gespräch, das nur der emotionalen Entlastung dient, kann hilfreich sein. Zusätzlich vermitteln KJT und ET Informationen über weitere Beratungsstellen und Hilfsangebote.

In einer umfangreichen und fundierten Ausbildung sowie mithilfe regelmäßiger Fortbildungen bereiten sich die BeraterInnen darauf vor, den sich laufend verändernden Anforderungen am Telefon gerecht zu werden. Auch wenn – vor allem am KJT – eine Vielzahl von Kontakten als Test-, Scherz- und Provokations-Anrufe oder als Mutprobe einzuschätzen ist und gelegentlich viel Toleranz einfordert, wird die ehrenamtliche Telefonarbeit von den BeraterInnen selbst sehr positiv gesehen. Weil sie notwendig und hilfreich ist.

Im Herbst 2014 startet voraussichtlich eine neue Gruppe künftiger BeraterInnen in die Ausbildung für die Betreuung des KJT oder ET. Hierbei handelt es sich um eine Kooperation der Standorte Mannheim und Ludwigshafen. Interessenten einer ehrenamtlichen Beratertätigkeit sind herzlich eingeladen zu einem ersten Info-Abend am 26. September, 18 Uhr, in den Räumen des Kinderschutzbundes Ludwigshafen (Bahnhofstr. 83, 67059 Ludwigshafen). Anmeldung unter: annette.stocker@kinderschutzbund-mannheim.de oder elterntelefon@kinderschutzbund-ludwigshafen.de Tel.: 0621 22011 (Kinderschutzbund Mannheim) oder 0621 6856649 (Kinderschutzbund Ludwigshafen).