Schulbesuch im Ausland

„Diese Erfahrung kann man später nicht mehr nachholen“

Schulbesuch im Ausland. Zurzeit läuft die Bewerbungsphase für alle Schüler/innen, die im nächsten Schuljahr eine Zeit im Ausland verbringen möchten. Wer sollte sich bewerben und wie finden Interessierte das passende Programm? Bettina Wiedmann (38), seit 2006 Geschäftsführerin der gemeinnützigen Austauschorganisation Experiment e.V. aus Bonn, die sich seit 1932 weltweit mit interkulturellem Austausch befasst, gibt Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema „Schulbesuch im Ausland“. Für wen lohnt es sich jetzt noch, sich für einen Schulbesuch im Ausland ab Sommer 2014 zu bewerben? Für Schülerinnen und Schüler, die zurzeit die 10. Klasse besuchen, ist im Sommer eine gute – und für manche auch die letzte Gelegenheit – eine Zeit im Ausland zu verbringen. Ich würde diesen Schülern empfehlen, ihren Auslandsaufenthalt „einzuschieben“ und nach ihrer Rückkehr in Klasse 11 wieder einzusteigen. So sind sie nicht dem Druck ausgesetzt, ein ganzes Jahr Unterrichtsstoff zu wiederholen. Alternativ kann man schon für ein halbes oder ganzes Schuljahr nach der 9. Klasse ins Ausland gehen – mit Anrechnung der im Ausland verbrachten Schulzeit. Wie finde ich eine passende Austauschorganisation? Es gibt in Deutschland mittlerweile unzählige Austauschorganisationen, da verliert man leicht den Überblick. Eine gute Möglichkeit, sich zu informieren, sind Austauschmessen, die regelmäßig in vielen Städten im gesamten Bundesgebiet stattfinden. Aber auch im Internet gibt es einige Portale, die einen guten Überblick bieten. Dort kann man gezielt suchen, welche Organisationen das Wunschland anbieten, oder die Kosten vergleichen. Mit welchen Kosten muss ich rechnen? Das kommt auf die Organisation an, auf das Zielland, die Länge des Aufenthaltes und ob z.B. Schulgebühren anfallen. Die Gebühren fangen bei knapp 6000 Euro für ein Schuljahr an und einige Anbieter geben eine genaue Übersicht, mit welchen Nebenkosten (für Taschengeld, Bücher o.ä.) gerechnet werden muss. Hier ist es wichtig zu schauen, welche Leistungen im Preis schon enthalten sind und welche nicht. Bei einigen Angeboten müssen zum Beispiel die Vorbereitungsseminare und Versicherung extra bezahlt werden. Nicht vergessen sollte man, dass ein Kind im Ausland viele laufenden Kosten im Inland „erspart“. Außerdem sollte man unbedingt die Möglichkeit einer Förderung mit Auslands- BAföG prüfen. Die Zuschüsse müssen nach dem Aufenthalt nicht zurückgezahlt werden. Gibt es jetzt noch die Möglichkeit, sich für Stipendien zu bewerben? Bei vielen Stipendienprogrammen in die Bewerbungsfrist bereits abgelaufen. Aber es gibt immer noch zahlreiche Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung für den Auslandsaufenthalt zu bekommen. So fördert die Stiftung Mercator einen Schulbesuch in China oder der Türkei mit bis zu 5.000 Euro. Die Bewerbungsfrist endet am 1. Februar. Außerdem gewähren manche Organisationen, die auch ein Einreise-Programm haben, Rabatte, wenn die Familie des Austauschschülers im Gegenzug Gastfamilie wird und einem Schüler oder einer Schülerin aus aller Welt einen Auslandsaufenthalt in Deutschland ermöglicht. Welche Länder eignen sich gut für einen Austausch? Alle Länder, in denen es Familien gibt, die bereit sind, einen jungen Menschen bei sich aufzunehmen und ihn für eine lange Zeit nicht wie einen Gast, sondern wie einen Teil der eigenen Familie zu behandeln. Am beliebtesten sind nach wie vor die USA. Aber es gibt auch immer mehr “Pioniere“, die eher außergewöhnliche Länder entdecken möchten. Sie bewerben sich dann zum Beispiel für Argentinien, Thailand oder Finnland. Wie lange sollte der Aufenthalt dauern? Ich empfehle, so lange wie möglich ins Ausland zu gehen. Je länger man bleibt, desto besser lebt man sich ein, wird Teil der neuen Kultur und verinnerlicht die Sprache. Von daher ist ein Schuljahr ein guter Zeitraum. Es ist aber auch klar, dass dies manchmal aufgrund der schulischen oder finanziellen Situation nicht möglich ist. Dann gilt: Lieber für einen kürzeren Zeitraum ins Ausland als gar nicht. Denn diese Erfahrung kann man später nicht mehr nachholen. Weitere Informationen finden Sie im Internet: www.experiment-ev.de, www.stiftung-mercator.de und www.aja-org.de