Kindergynäkologie

Unterschiede zur klassischen Frauenheilkunde

Nelli Chamarina, Ärztliche Leiterin der Geburtshilfe Klinikum der Stadt Ludwigshafen

Wenn ich meinen Kollegen erzähle, dass ich mich für Kindergynäkologie interessiere, dann sagen sie meistens, dass ich sicher wenige Patientinnen bekomme, das sei ja eine Rarität! Es geht darum, dass die Gynäkologen sich in der Regel nicht erinnern, dass Kinder keine kleinen Erwachsenen sind, sie haben eine andere Anatomie, Physiologien, Sensibilität und andere Lebenserwartungen. Kinderärzte dagegen vergessen oft, dass Sexualität auch zu den Eigenschaften ihrer Patienten gehört und sind nicht immer bereit, sich hiermit zu beschäftigen.

Die Kinder- und Jugendgynäkologie befasst sich mit Früherkennung, der Vorbeugung, der Abklärung und der Behandlung von gynäkologischen Erkrankungen bei kleinen heranwachsenden Mädchen. Die Kindergynäkologie ist keine Miniatur der Erwachsenen-Gynäkologie, sie unterscheidet sich von der klassischen Frauenheilkunde durch ihren eigenen Ansatz, wobei Wachstum und Entwicklung in der somatischen und  psychischen Sicht im Vordergrund stehen.

Die häufigsten Gründe für die ersten Untersuchungen sind Entzündungen im Genitalbereich, Blutungsstörungen, Entwicklungsstörungen, Tumore, Fehlbildungen, Schmerzen im Unterbauch, Verletzungen oder Wunsch nach Verhütung.

Die Eltern wissen häufig nicht, ob sie einfach abwarten sollen oder das Mädchen doch zum Gynäkologen bringen. Es gibt ganz klare Situationen in der eine gynäkologische Vorstellung notwendig sind. Dazu gehören Brennen, Schmerzen oder Juckreiz im Genitalbereich, Blutungen aus der Scheide, vor Pubertätsbeginn oder unregelmäßigen schmerzhaften Perioden, auffälligen Ausfluss, V.a. Entwicklungsstörungen z.B. 1. Periodenblutung vor 8 Lebensjahr oder fehlende Periode nach dem 15. Lebensjahr oder bei V.a. auf abnormales Genitale.

Kann man ein kleines Kind überhaupt gynäkologisch untersuchen?

In 90 Prozent aller Fälle ist eine Untersuchung mit Hilfe der Spekula (Spiegelbenutzung) nicht notwendig, sondern nur eine Inspektion: visuelle Beurteilung der äußeren Genitale. In seltenen Fällen, wie z.B. bei Verdacht auf einen Fremdkörper in der Scheide, kann man die Scheide mit speziellen kleinen Instrumenten schmerzfrei untersuchen, ohne das Jungfernhäutchen zu verletzen.

Wenn eine Ultraschalluntersuchung notwendig ist, wird sie nicht wie bei den Erwachsenen durch die Scheide sondern durch die vordere Bauchwand durchgeführt. Ich muss noch dazu sagen, dass eine nach Alter entsprechender Erklärung und Demonstration von Instrumenten, Wattestäbchen etc. die Kinder sehr kooperativ sind.

Selbstverständlich sind die Eltern bei den Untersuchungen immer dabei. Ich finde es ist nirgendwo so wichtig wie in der Kindergynäkologie einen Arzt-Patientenkontakt aufzubauen und das Vertrauen des Kindes zu gewinnen. Die entsprechende Empathie, notwendige spezielle Ausbildung mit anschließenden langjährigen Erfahrungen sind die Voraussetzungen für diagnostische und therapeutische Erfolge.

Nelli Chamarina, Frauenklinik/Sektion Geburtshilfe, Ärztliche Leiterin der Geburtshilfe, Klinikum der Stadt, Ludwigshafen am Rhein gGmbH, Bremserstraße 79, 67063 Ludwigshafen, www.klilu.de, Tel.: 0621/503-3278, E-Mail: chamarini@klilu.de