Heidelberg will Betreuungsgebühren für einkommensschwache Familien abschaffen

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Ab 1. September 2018 sollen Kinder aus einkommensschwachen Familien vom ersten Lebensjahr bis zum Schuleintritt kostenfrei Krippen, Kindergärten oder Tagespflege besuchen können – inklusive Mittagessen. Die Stadt übernimmt dann die anfallenden Kosten. „Unser Ziel ist es, jedem Kind in Heidelberg eine Betreuung zu ermöglichen – und zwar unabhängig vom Einkommen der Eltern. Kein Kind soll, weil das Geld zu Hause knapp ist, eine Krippe oder Kita nicht besuchen können“, so Sozialbürgermeister Dr. Joachim Gerner. Was das geplante Heidelberger Angebot aus anderen heraushebt: Nirgendwo sonst in Deutschland gibt es die Betreuung bis zu zehn Stunden täglich mitsamt Mittagessen kostenfrei. Das Angebot soll für Familien mit dem sogenannten Heidelberg-Pass beziehungsweise Heidelberg-Pass+ gelten. Voraussetzung hierfür ist, dass die Familien Sozialleistungen wie Wohngeld oder Kindergeldzuschlag beziehen oder deren monatliches Nettoeinkommen einen festgelegten Betrag nicht überschreitet, beispielsweise bei Alleinerziehenden mit einem Kind 1.500 Euro, bei Eltern mit zwei Kindern sind es 2.150 Euro. Beide Pässe ermöglichen einkommensschwächeren Familien ein Bündel von Vergünstigungen insbesondere in den Bereichen Kinderbetreuung, Bildung, Freizeit und Kultur sowie Öffentlicher Nahverkehr. Bisher gibt es für Familien mit Heidelberg-Pässen eine Kostenbefreiung für drei Kindergartenjahre. Davon profitieren aktuell 700 Kinder.

Künftig stärker entlastet

Die Betreuung in Krippen ist nicht kostenfrei. Künftig würden sich für eine Familie mit zwei Kindern, die eine städtische Krippe besuchen, Entlastungen von bis zu 400 Euro ergeben – bei freien Trägern, die nicht das städtische Entgeltsystem übernommen haben, fallen die Summen sogar deutlich höher aus.

Die geplante Ausweitung des Angebots ist Teil eines größeren Maßnahmenbündels im Zuge der Anpassung des Entgeltsystems für städtische Kindertageseinrichtungen. Angestoßen durch den Gemeinderat sollen einkommensschwächere Familien künftig stärker entlastet werden, Besserverdiener sollen etwas höhere Beträge als bisher für die Kinderbetreuung zahlen. Der Gemeinderat hat hierüber erstmals im Jugendhilfeausschuss am 28. November beraten.  In Heidelberg bieten mehr als 40 Träger in über 120 Kindertageseinrichtungen rund 6.250 Betreuungsplätze für Kinder von der Geburt bis zum Schuleintritt an, mehr als zwei Drittel sind Ganztagesplätze. Mit einer Versorgungsquote für Kinder unter drei Jahren von rund 51,3 Prozent und einer Vollversorgung im Kindergartenbereich (drei bis sechs Jahre) belegt Heidelberg seit Jahren einen Spitzenplatz innerhalb der westlichen Bundesländer. Für die Kinderbetreuung investiert die Stadt 2017 und 2018 insgesamt mehr als 147 Millionen Euro.