Frühjahrsputz mit Eva Unterburg

Kolumne von Eva Unterburg

Grafik: Günter Land

Dass es den feststehenden Begriff Frühjahrsputz überhaupt gibt, zeigt, dass sich schon Generationen vor uns mit dem Phänomen Dreck, Gilb und Schlieren auseinander gesetzt haben müssen.

Bei Ritters im fernen Mittelalter musste man wenigstens keine Fenster putzen, sondern konnte einfach die dicken Holzverschläge abmontieren, um wieder freie Sicht in die Natur zu haben. Da-für müssen wir uns – außer viel-leicht in Messiwohnungen – selten mit abgenagten Knochen, Hundehinterlassenschaften und verfaultem Stroh in unseren Wohnzimmern auseinandersetzen am Ende eines langen Winters.

Auch Teppichstangen und den von Kindern so gefürchteten Teppichklopfer findet man heute nur noch vor Wohnanlagen aus den 50-iger Jahren. Dafür haben wir die gemeine Hausstaubmilbe, die uns, wie ich gerade auf der Seite des Deutschen Hausfrauenbundes lernen durfte, im siebten Lebensjahr einer ganz normal beschlafenen Matratze zu 1,5 Millionen Mal entgegenkrabbelt und schlimmer noch: die uns mit ihrem Kot das Leben schwer macht. Was früher Bettwanzen, Flöhe und Läuse vermochten, nämlich die Menschen scharenweise zu quälen, vermag heute die um vieles kleinere Hausstaubmilbe.

Als ich vor wenigen Tagen in Erwartung des nahenden Sommers den alljährlichen Wechsel der Kleiderschränke vorgenommen habe, also kleidertechnisch die Umstellung von Winter- auf Sommerzeit vollzog, kamen mir diese Tiere in Heerscharen und faustgroß entgegen. Ihre Häufchen hätten ein mittleres Pferd mit Stolz erfüllt und vermutlich saßen ganze Großfamilien zusammengerottet zwischen meinen Sommerkleidern und lachten sich eins, ob meiner allergischen Niesanfälle. Aber ich gab nicht klein bei, mit winzigen Augenschlitzen, juckendem Gaumen und komplett verstopfter Nase trug ich sie samt ihrer Heimstatt der Sonne, der Freiheit entgegen.

Und dort im lauen Frühlingswind auf dem Balkon hängend, zeigte ich ihnen den Ällalätschfinger und war richtig schadenfroh mit meinem angeschwollenen Gesicht. Keine Macht den Milben, nieder mit den Kotenden, Freiheit für die Nasen, Augen und Gaumen! Mein Manifest kam mir nur flüsternd über die Lippen, die Nachbarn hätten sich schon arg gewundert und man muss ja das gute nachbarschaftliche Verhältnis nicht unnötig irritieren.

Während der Wind die Entmilbung vornahm, ging ich mit Essigwasser den Schränken an den Leib, bis auch der letzte Wollmäuserich sich in den Wollmausehimmel verabschiedet hatte.

Stunden später war alles vollbracht, Sommerkleid an Sommerkleid hängt nun nach Farben sortiert im Schlafzimmer, Hose auf Hose, Shirt an Shirt und drei volle Säcke freuen sich auf neue Besitzer, die ebenso gerne im Second Hand Laden einkaufen wie ich. Jäger und Sammler eben.

Und nun schneit es draußen und ich frage mich, ob das die Rache der Milben sein könnte, die sich in einem letzten Aufbäumen mit den Regentierchen und deren buckliger Verwandtschaft, den Schneeklibbern zusammengerottet haben, um all jenen, die sie aus den warmen Kleiderschränken erbarmungslos vertrieben haben, eins auszuwischen.

Ich vermute, meine Theorie ist stimmig, denn so wie es jetzt aussieht, werden meine Sommerkleider zwar milbenfrei, aber dafür noch wochenlang in Reih und Glied nach Farben geordnet im Schrank hängen. Und ich werde für jeden Winterpulli eine Treppe tiefer laufen müssen…