Familienzuwachs

Ich komme zu gar nichts mehr. Kaum sind die Teller gespült, haben die Kleinen schon wieder Hunger. Und dann das ständige Hinterherräumen und Gerufe quer durchs Haus. Auf mich hört ja niemand. Überdies toben sie wild treppauf, treppab und kämpfen wie die Kesselflicker wild ineinander verkeilt. Aber wenn sie schlafen, dann kann ich nicht wiederstehen. Die zarten kleinen Köpfchen, die flauschigen kleinen….Bäuchlein und die fluffigen Samtpfötchen. Einfach zu niedlich, diese beiden Katzenkinder!

Als ich den frechen, kleinen roten Kater und sein scheues Geschwisterkätzchen vor vier Wochen auf dem Bauernhof unweit meiner Eltern abholte, ahnten wir noch nicht, wie schnell uns die Zwei ans Herz wachsen würden.

Bis beide allerdings im liebevoll ausgestatteten Katzenkorb Platz nehmen konnten, ließen zwei Landwirte fortgeschrittenen Alters einige Nerven, denn das Unterfangen Katzeneinfangen erwies sich als wahres Himmelfahrtskommando. Wilde, kleine Katzen lassen sich nicht einfach so locken mit ein paar Leckerli. Die sind pfeilschnell stibitzt und dann reicht ein kleiner Spalt in der Tür zum Schweinestall und schwupp sind die Fellknäuel wieder weg.

Kolumnistin Eva Unterburg
Kolumnistin Eva Unterburg

Doch dann kam der ersehnte Anruf, „Du kannst kommen, es hat geklappt“. Wir fühlten uns ein bisschen wie Adoptiveltern, die endlich das ersehnte Wunschkind abholen dürfen. Nur dass Wunschkinder nicht penetrant nach Riesensau riechen und als kleine Flohzirkusse ihr neues Zuhause erkunden. Beim Tierarzt gab`s diesbezüglich das Rundumsorglospaket und den guten Rat, das scheue Kätzchen erst einmal ganz in Ruhe zu lassen. Von wegen Trauma und so.

Vier Wochen später ist die Süße tatsächlich noch immer nicht mit Mutter Courage zu verwechseln. Hände im Allgemeinen und meine im Besonderen verursachen nach wie vor Schrecksekunden bei ihr. Und das, obwohl diese Hände jeden Tag mehrmals für ein behaglich gut duftendes Katzenklo (ich muss jetzt immer öfter an Helge Schneider denken) sorgen, die Futterteller spülen und was noch wichtiger ist, auch auffüllen. Das Beglücken des schmusigen Bruders mit unzähligen Streicheleinheiten nicht zu vergessen.

Dass ihm das gefällt, müsste sie anhand seiner lauten Motorleistung eigentlich erkennen, aber es bleibt bis jetzt ein letzter Angsthasenmoment, der sie davon abhält, sich der Streichelei ohne Hintergedanken hinzugeben. Und dabei bemühen wir uns über alle Maßen. Mein Mann wackelt ausgiebig mit den Zehen und lockt mit flötengleicher Stimme, die Jungs liegen – wenn sie mal da sind – wie früher auf dem Boden rum und schwenken Katzenspielzeug im Nanosekundentakt vor den hypnotisierten Katzenaugen herum, dass einem schon vom Zusehen schwindelig wird. Aber den Tierchen gefällt‘s.

Inzwischen vergeht kein Tag, an dem wir nicht Katzenvideos per Whatsgedöns in die Ferne schicken und witzige Kommentare von den Jungs ernten (unglaublich, ich schreibe tatsächlich über Katzenvideos).

Für Katzenhasser vermutlich eine komplett nicht nachvollziehbare Sache, schräg, nervig und komplett unnötig.

Wenn sie bis hierher gelesen haben, hat das vermutlich drei Gründe: Erstens mögen sie Katzen ähnlich gerne wie wir oder sie sind zumindest katzenneutral eingestellt. Oder Sie hängen zweitens irgendwo fest, wo es nur das Rhein-Neckar-Kind zu lesen gibt, im vollen Wartezimmer Ihres Kinderarztes zum Beispiel. Vielleicht steht Ihnen auch ein schwieriges Gespräch mit der Kindergartenleitung bevor über den Drang Ihres Kindes, anderen Mitkindergartenkindern durch festes Zubeißen seine Zuneigung unmissverständlich – aber lieb gemeint – zu zeigen. Und nun überbrücken Sie die Wartezeit mit meinen Katzenausführungen. Und drittens: mein Verleger, der es mit Katzen nicht so hat, hat dies hier doch tatsächlich gedruckt! Lieber Karl, das rechne ich Dir hoch an, denn es muss Dich einige Schattensprünge gekostet haben, jetzt auch noch von diesen Katzenkindern zu lesen – und das in Deiner eigenen Zeitung!

(Anm. des Verlegers: Wir haben unsere Anwälte befragt. Es gibt wohl keine rechtliche Handhabe gegen Katzenbildchen in einer Elternzeitung. Schade!)