Advent und Weihnachten

Weihnachten 2016 bei Eva Unterburg: Alles wie gehabt

Kolumne von Eva Unterburg

Grafik: Günther Land

Extra ins Sauerland fahren, um eigenhändig einen Christbaum im größten zusammenhängenden Christbaumanbaugebiet Europas zu schlagen? Sich eine Gurke aus Glas an den selbigen hängen, um wie in den USA gemeinsam danach zu suchen? Zu Heiligabend 13 Gerichte anbieten wie in Polen? Aus ökologischer Motivation heraus zum formschönen Plastikbaum greifen? Gegenseitiges Christbaumloben mit anschließendem Schapsgelage in der Straße einführen, wie es die Oberschwaben tun?

Kokosnüsse in der Karibik, statt Kugeln in Karlsruhe? An Heiligabend so richtig abfackeln wie im Thüringischen Schweina? Oder sich ganz puritanisch verhalten und Weihnachten ganz ausfallen lassen wie einst die Quäker im 17 Jahrhundert?

Nein, nein und nochmals nein! Alles bleibt wie gehabt, das beschieße ich hiermit. Komplett undemokratisch und politisch nicht korrekt, aber dafür gleich für die eigene und erweiterte Familie mit. In Sachen Weihnachten lasse ich nicht mit mir reden, was tiefgreifende Veränderungen angeht.

Vor Jahren kam von unseren heranwachsenden Söhnen die glorreiche Idee, das Fest in südliche Gefilde mit Meeresbrandung und Muschelessen zu verlegen. Wer kommt denn auf so etwas? Spätestens seit dem göttlichen Film „Oh Palmenbaum“ aus Österreich müsste doch jedem klar sein, dass man echten Weihnachtsbegeisterten mit solch einem Vorschlag keine Freude macht. Lametta über Palmwedeln – unvorstellbar.

Und außerdem weit und breit kein Schnee in Sicht. Gut, das mit dem Schnee ist auch hier so eine Sache, aber immerhin bleibt die vage Hoffnung, dass just am Heiligabendmorgen die ersten zarten Flöckchen vom Himmel schweben und sich bis Mitternacht eine dicke weiße Schneedecke über das Land ausgebreitet hat. So steht es in jedem weihnachtlichen Kinderbuch und so will ich es haben. Ich will fröstelnd mit den wärmsten Winterstiefeln im Dunkeln gen Kirche stapfen und dabei nur das leise Knirschen der eigenen Schritte und das sanfte Läuten der Kirchenglocken hören. Gegen das gelegentliche Klingeln der Glöckchen an vorbeifahrenden Pferdeschlitten ist auch nichts einzuwenden.

Zu Hause schmort die Gans wie von selbst im Ofen und der Duft von Zimt und Koriander zieht durchs Haus. Die Familie ist zusammengekommen, alle spielen vor dem brennenden Kamin Gesellschaftsspiele aus alter Zeit und man betrachtet leise kichernd Fotoalben. Selbstverständlich spielen alle ein Instrument, das sich wie zufällig zu einem kleinen Kammerorchester zusammenfügt und man flötet und tirriliert sämtliche traditionellen Weihnachtsweisen mindestens einmal durch. Dazwischen stimmt der Familienchor bedeutungsschwere Choräle an. Der Baum leuchtet und ist über und über mit zauberhaften Kugeln und Sternchen geschmückt, darunter weidet der Löwe bei den Lämmern. Gut letzteres ist ebenso illusorisch, wie der Weltfrieden.

Ich vergaß die handgeschnitzte Krippe, die sich in ähnlichen Ausmaßen wie im Seitenschiff des Speyrer Doms durch unser Haus zieht. Täuschend echte Kamele und Hirten inbegriffen. Vielleicht sogar mit einer ausgeklügelten Mechanik, die Engelsflügel zum Schlagen bringt und das Kind in der Krippe mit seinen Fingerchen spielen lässt.

Überhaupt wäre das Frohlocken und Hosianna-Anstimmen sehr wichtig, ebenso wie das Weihnachtsglöckchen und das Engelshaar. Wahlweise auch Christkindlhaar, aber bitte keine Bartstoppeln des Weihnachtsmannes, den mag ich nicht besonders, weil er immer an Cola erinnert. Wenn schon Kopfschmerz, dann wenigstens stilecht mit Eierpunsch oder gewürztem Glühwein.

Nach diesen kurzen Ausführungen verstehen Sie sicher, worum es mir an Weihnachten geht: Ein Fest im kleinen Kreis der Familie mit wenig Schnörkeln und Extras, ein bescheidenes Essen und ein wenig traditionelle Beschaulichkeit. Ich finde, ich erwarte nicht zu viel….