Stechmücke

Kolumne von Eva Unterburg

Grafik: GünterLand

Es gibt Tiere, deren Existenz sich mir erst nach einiger Überlegung erschließt. Die Zecke zum Beispiel.

Sie sieht nicht sehr ansprechend aus, befällt Rehe und Hirsche in freier Wildbahn und vermehrt sich noch schneller als das sprichwörtliche Karnickel.

Außerdem finde ich sie unheimlich, denn sie lauert ewig lang dürstend nach Blut im Unterholz oder auf harmlos aussehenden Waldwiesen, um dann arglos pfeifende Wanderer anzufallen und sich an ihren Waden festzubeißen. Sie trinkt Blut, bis sie prall und fett ist und lässt sich dann abplumsen, um schmatzend zu verdauen. Ein bisschen „Ihhh“ finde ich das schon, erst recht, wenn ich diese fetten Teile aus dem Fell unserer betagten Katzendamen klauben muss. Ich glaube, die Katzen wissen, welche Überwindung mich das kostet und lieben mich deshalb umso mehr.

Also, Zecken sind nicht meine Freunde, von den gruseligen Krankheiten, die sie ganz nebenbei übertragen, möchte ich erst gar nicht anfangen. Stechmücken sind auch irgendwie unnötig, aber immerhin dienen sie unseren kleinen gefiederten Freunden als leckere Antipasti und haben so ihren Platz im Ökosystem sicher.

Bei den Zecken weiß ich nicht, ob die überhaupt irgendjemand essen möchte, Veganer jedenfalls nicht und Vegetarier auch nicht. Selbst eingefleischte Fleischesser, die sonst auf englisch statt auf medium stehen, kann ich mir kaum als Zeckenverwerter vorstellen. Vielleicht Nacktschnecken?

Das wäre toll, denn die Nacktschnecken mag auch keiner so richtig, außer vielleicht die lustigen japanischen Laufenten und soviel ich weiß auch Igel.

Vielleicht könnte man der Evolution einen kleinen Tipp geben: die Population der Zecken etwas drosseln, dafür die Nacktschnecken so weiterentwickeln oder vielleicht auch zurück, dass sie Zecken als alleiniges Futtermittel ansehen und dann die japanische Laufente derart witterungsresistent machen, dass sie von Grönland bis Tansania einsetzbar ist als Kampfmaschine gegen die Myriaden von Salat-Tagetes-und Soziemlichalleswasgrünist-fressenden Nacktteile. Ich wäre dafür!

Zum Schluss nochmal zu meinen speziellen Freunden, den Steckmücken. Ich mag ja den Sommer, aber muss das denn sein, dass allabendlich diese Kampfgeschwader ausrücken und man sich entweder durch einen ungeordneten Rückzug per Hechtsprung ins Haus oder durch giftig riechendes Sprühzeug zur Wehr setzen muss? Könnte man diese Tiere nicht besser erziehen? Statt gierig drauflos zu saugen an allem, was bei drei nicht in mückengittergeschützten Räumen ist, schlage ich vor, dass man leckere Blutbeutelchen in den Garten oder auf den Balkon hängt, die mit hautähnlicher Plastikhülle und synthetischem Menschenschweißgeruch den Tieren die bestmögliche Illusion bieten.

Gerne auch farblich ansprechend gestaltet mit hippem Tattoomuster. Ja, auch Stechmücken gehen gerne mit der Zeit und lassen sich von ihren aus Asien mittels moderner Luftfahrttechnik eingeflogenen Verwandten vorlesen, was die chinesischen und japanischen Schriftzeichen auf den Oberarmen oder Nacken ihrer menschlichen Wirte bedeuten.

Eine ganze Industrie könnte auf diese Weise entstehen, denn die Absatzmärkte wären beeindruckend. Biergärten, Restaurants am See, Landschulheime, Sportgaststätten, Schwimmbäder… sie alle wären potenzielle Kunden und Großabnehmer der preislich frei zu variierenden Beutelchen. Die Werbebranche stünde vor ganz neuen Herausforderungen und Produktdesigner hätten ein neues Aufgabenfeld. Selbst Fooddesigner, die sich sonst mit dem Kreieren von Würstchen ohne Wurst abmühen oder von Fruchtjoghurt mit Spuren von Früchten, könnten damit ganz groß rauskommen und die Arbeit wäre zudem interfakultativ, weil die Insektenforscher natürlich das Sagen hätten. Ich merke immer wieder: ich könnte die Welt retten, wenn man mich nur ließe!

Herzlichst, Ihre Eva Unterburg