Stadt Mannheim richtet Koordinierungsstelle gegen Kinderarmut ein

Foto: ©Stadt Mannheim

Die Stadt Mannheim will 2018 eine Koordinierungsstelle „Mannheim gegen Kinderarmut“ einrichten. Das Land unterstützt das Projekt mit 200.000 Euro.

„Ich freue mich über Unterstützung des Landes, die es uns ermöglicht, ein systemübergreifendes Konzept der Armutsbekämpfung aufzulegen“, betont Bildungsbürgermeisterin Dr. Ulrike Freundlieb. Die Aufgabe der Koordinierungsstelle ist es, ein integriertes Handlungskonzept zur Bekämpfung von Kinderarmut in Mannheim zu entwickeln und die vorhandenen Hilfeangebote für Familien mit Hilfebedarf in einem Präventionsnetzwerk gegen Kinderarmut zu bündeln. Im Sinne einer funktionierenden Präventionskette sollen von Kinderarmut bedrohte oder bereits betroffene Familien möglichst früh erkannt und an das Unterstützungs- und das Gesundheitssystem angegliedert werden. Hierzu wird beispielsweise an der Schnittstelle Jugendhilfe/Gesundheitswesen ein Screening bei allen Neugeborenen und deren Eltern entwickelt und an den Mannheimer Geburtskliniken umgesetzt. Gleichzeitig wird die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Kinderärzten intensiviert, um deren Kompetenzen und Zugangswege zu den Familien mit kleinen Kindern besser einzubeziehen und die Inanspruchnahme der Früherkennungsuntersuchungen durch die Zielgruppe zu steigern. Des Weiteren erfolgt eine Verknüpfung mit einem stadtteilorientierten Gesamtkonzept zur Gesundheitsförderung. Im Sinne des Leitgedankens „Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind groß zu ziehen“ sollen die Auswirkungen eines stadtteilorientierten Gesamtkonzeptes zur Gesundheitsförderung auf die Verbesserung der Lebenssituation von Kindern, die von Armut bedroht sind bzw. bereits von Armut betroffen sind, festgestellt werden. Dabei wird auch die kleinräumige Wirksamkeit des Präventionsnetzwerkes und des Screenings in Geburtskliniken betrachtet.

Zur Einrichtung der Koordinierungsstelle „Mannheim gegen Kinderarmut“ hatte die Stadt Mannheim auf Vermittlung ihres Kontaktbüros zur Landesregierung einen entsprechenden Antrag auf Projektförderung beim Sozialministerium gestellt. Das Projekt ist zunächst auf ein Jahr befristet. Es wird vom Mannheimer Institut für Public Health (MIPH) begleitet und evaluiert.

Pressemitteilung des Landes Baden Württemberg, Ministerium für Soziales und Integration zur Förderung der Koordinierungsstelle in Mannheim:

Das Ministerium für Soziales und Integration fördert die Einrichtung einer Koordinierungsstelle „Mannheim gegen Kinderarmut“ mit 200.000 Euro. „Unser Ziel muss es sein, gleiche Chancen für alle Kinder zu schaffen, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft und dem Geldbeutel der Eltern“, sagte Sozial- und Integrationsminister Manne Lucha.

Weitere Informationen zum Thema Kinderarmut in Mannheim

  • In Mannheim leben 316.265 Einwohner, der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund beträgt 44,7 Prozent.

  • 15 Prozent der Einwohner sind jünger als 18 Jahre, davon weisen 60 Prozent einen Migrationshintergrund auf.

  • Rund 40 Prozent der unter siebenjährigen Kinder leben in einem sozialstrukturell auffälligen Stadtteil. Diese Stadtteile haben zugleich den stadtweit höchsten Migrationshintergrund in der Altersgruppe null bis unter sieben Jahre.

  • Die Arbeitslosenquote in den vergangenen fünf Jahren ist zwar kontinuierlich zurückgegangen; sie liegt jedoch mit aktuell 5,1 Prozent immer noch über dem Landesniveau (3,3 Prozent).

  • Im Jahr 2016 lag die Quote der Bezieherinnen und Bezieher von Grundsicherung für Arbeitsuchende (SGB II) bei 11,6 Prozent (Baden-Württemberg: 5,1 Prozent). Der Anteil der unter 15-jährigen in betroffenen Haushalten bewegt sich seit Jahren mit geringen Schwankungen auf einem hohen Niveau. Im Jahr 2016 betraf dies 20,8 Prozent der Mannheimer Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren (Baden-Württemberg: acht Prozent).