Shopping in der Apotheke

Kolumne von Eva Unterburg

Eva Unterburg in der Apotheke Grafik: Günter Lamd

Die Apotheken sind die Eisdielen des Winters. Dort trifft man sich, tauscht die neusten Krankheitsbilder aus und steht geduldig in der Schlange. Dort ist es mollig warm, ein Wasserspender lindert den erkältungsbedingten Durst und zur Not kann man in der Apothekenrundschau viel Wissenswertes über den Gesundheitszustand der Nation erfahren. Was tun bei Arthrose im Knie beispielsweise, die zehn bewährtesten Hausmittel bei Angina, Darmprobleme und wie man sie in den Griff bekommt oder das Wundermittel gegen Fersensporn.
Ich bin begeistert, zumal meine Schlangennachbarin sofort  nach dem Mitlesen der Artikel über meine Schulter hinweg, selbstlos ihre eigenen Erfahrungen  an mich weitergibt.
Im Nu entsteht ein lebhafter Austausch zwischen den Wartenden und während ganz vorne mühsam Rezepte entziffert werden – es gibt sie wohl noch immer, die Ärzte mit veritabler Sauklaue – entbrennt der Kampf um die besten Tipps in Sachen Gesundheit.

Wunderbar, denn inzwischen sind auch einige Mütter mit Kinderwägen involviert, die aus der jüngsten Vergangenheit Fälle am eigenen Leib, bzw. am Leib ihrer mitgeführten Kinder zum Besten geben können. Von Magen-Darm (er behält gar nichts, aber auch gar nichts bei sich, der Arzt hat gesagt, wenn das so weitergeht muss er an den Tropf), über den gemeinen Babyschnupfen (ich hab` letzte Nacht kein Auge zugemacht) bis zu orthopädischen Problemen (diese Hüftspreizhöschen wirken Wunder), reicht die Palette des Erfahrungsaustauschs.
Und sogar die freundlichen Apothekerinnen nehmen dankbar so manche Neuigkeit in ihr eigenes Repertoire aus (Moment mal eben, das schreibe ich mir doch gleich mal auf).
Ein Dorfplatz im 19Jhd. hätte kommunikativer nicht sein können und ehe ich mich versehe, bin ich dran. Nachdem ich mein Begehr vorgebracht habe und die bestellten Arzneimittel mit einem sonoren Summen aus der Wand in das Auffangbecken rauschen, fällt mir ein, dass Husten, Schnupfen und Heiserkeit meist am späten Abend, Mittwoch Mittag oder an Feiertagen über einen hereinbrechen.
Und so ordere ich noch die Flasche mit dem leckeren Thymiangeschmack (ja gerne die große, die kleine ist ja immer im Nu leer) und erinnere mich an die Lutschpastillen gegen fiese Halsschmerzen. Die Apothekerin kommt ins Schwitzen, denn Lutschpastillen gibt es, wie sich an dem entstandenen Schachtelberg auf dem Ladentisch bald zeigt, etliche und sie muss zugeben, dass sie nicht alle vom Geschmack her kennt. Nach dem vorsichtigen Öffnen aller Packungen und der augenscheinlichen Prüfung von Farbe und Pastillenbeschaffenheit glaube ich die gewünschte Art gefunden zu haben und fühle mich wie nach dem Schnäppchenkauf eines besonders ausgefallenen Schuhs. Damit ist der Bann gebrochen: Kaufrausch in der Apotheke!

Von den überaus gesunden Gummibärchen in der Familienpackung über ein Päckchen Heiße Zitrone in Tüten, ABC-Pflaster für plötzlich geschundene Rückenpartien, Notfalltropfen in Bonbonform bis zu prophylaktisch einzunehmenden Globuli und Bachblüten – ich nehme alles. Man kann schließlich nie wissen, wann die Krankheit zuschlägt und sollte für jedes Familienmitglied und jede Eventualität gerüstet sein. Inzwischen bin ich dazu übergegangen auch die Post und andere Zustelldienste in die Pflicht rund um die Gesunderhaltung unserer Familie zu nehmen.

Der Warenverkehr in die Wohnorte unserer Kinder floriert und so mancher Zusteller hat sich sicher schon beim Schütteln der kleinen Päckchen gefragt, was da so geheimnisvoll raschelt. Probieren Sie es ruhig einmal aus, Sie werden feststellen Globuli hören sich komplett anders an als Enzyme beispielsweise und selbst bei den Tropfen gibt es Unterschiede; aber das nur am Rande.
Ich bezahle natürlich mit Karte, denn mit soviel Bargeldfluss hatte ich gar nicht gerechnet an diesem Vormittag und nehme freudig die prall gefüllten Tüten entgegen.
Die neu dazugekommenen Apothekengäste freuen sich mit mir über die zahlreichen Tempopäckchen und Heiße Zitronen, die mir die freundliche Apothekerin obendrauf packt.
Kann Shoppen schöner sein?