Kolumne von Eva Unterburg

Kolumne von Eva Unterburg

Grafik: Günther Land

Ich weiß nicht, liegt es am inzwischen fortgeschrittenen Alter meinerseits oder hat sich wirklich so viel geändert, seitdem wir oder zumindest unsere Kinder klein waren. Vielleicht ist es ja auch eine selektive Wahrnehmung, ähnlich der von Schwangeren, die plötzlich überall nur noch wachsende Babybäuchlein wahrnehmen, obwohl die doch erfahrungsgemäß in den letzten Millionen Jahren mit ähnlicher Häufigkeit unterwegs waren – und dennoch unbemerkt von eben jenen Schwan­geren.

Können Sie mir noch folgen bei meinen Bemühungen, mich verständlich zu machen? Also es geht darum: Ich werde zunehmend ungehalten in Anbetracht von Menschen aller Arten, Formen und Alter, die sich weitestgehend egomanisch durchs Leben bewegen. Wie kommen Kinder dazu, sich an außerschulischen Lernorten, wie beispielswei­se in Museen derart daneben zu benehmen, dass man als Kulturvermittlerin ständig damit beschäftigt ist, die Wogen zumin­dest so weit zu glätten, dass auch die anderen 25 Kinder einen verstehen. Schade für die 25, die richtig Spaß hätten, wenn nicht jenes eine Kind alle Aufmerksamkeit auf sich bündeln würde. Und meist gibt es on Top noch eine kleine Mitläuferschar, die von ihren Heerführern angestachelt, jeden noch so blöden Unsinn mitmachen.

Wo ist der ganz normale Umgang miteinander abgeblieben? Das Auf-Augenhöhe-Miteinander-Sprechen, das Rücksicht nehmen im besten Wortsinn, die Toleranz gegenüber anderen Meinungen?

Was passiert da mitten unter uns, wenn Sanitäter, Polizisten und Feuerwehrleute im Einsatz angepöbelt werden oder Schlimmeres erleben, wenn in den „Sozialen Medien“ Hasstiraden auf Andersdenkende niederprasseln oder gewählte Volksvertreter mit Morddrohungen konfrontiert sind? Wo ist der Sinn für die Gemeinschaft hin? Wo die Neugierde auf andere Lebensgeschichten und -wege? Viele glauben das einzig richtige Modell für sich gepachtet zu haben und das war‘s dann. Das alte „spießig“ scheint einer absoluten Ignoranz gewichen zu sein. Riesige Egos führen Länder und ganze Kontinente an, gewählt von unzähligen anderen Egos.

Zu meinem und unser aller großem Glück gibt so viele wunderbare Menschen, die mit offenen Augen und Herzen durchs Leben gehen. Ich habe das Gefühl, es ist wichtiger denn je, sich genau darin gegenseitig zu stärken und immer dann laut zu denken, wenn die Egomanie zu weite Kreise zieht. Im Museum habe ich deshalb neulich erklärt, warum es uns allen mit freundlichen Umgangsformen und Respekt deutlich besser geht, als ohne.