Was koch’ ich bloß?

kalte Küche mit Eva Unterburg, Grafik: Günther Land

Es ist kurz vor knapp und knapp heißt, gleich kommen die Jungs aus der Schule und möchten sich an den gedeckten Tisch setzen. Nicht dass sie Design oder Deko versessen wären, in den Gedecken sollte schon etwas drin sein. Etwas Essbares, möglichst lecker und mengenmäßig auf den gesunden Appetit zweier Adoleszenter abgestimmt. Nun ja, 15 Minuten hab ich noch. Da war doch das Rezept, worauf neulich diese entfernte Bekannte geschworen hat, die auch aufgrund ihrer Berufstätigkeit wenig Zeit zum Kochen hat und…. wo hab ich das bloß hin? Ah ja…. das lässt sich machen, die Zutaten sind alle im Haus und losgeht‘s. Ich wirble, schnipple, brate an. Es dampft, spritzt und … macht irgendwie nicht viel her.

Das, was ich da auf den Teller bringe hat wenig von den liebevoll geschnitzten Blumenkohl-Möhren-Tomaten-Gesichtern aus dem Vollwert-Kochbuch, das mir meine Schwiegermutter so ans Herz gelegt und bereits zur besseren Orientierung  mit bunten Post-its versehen hat. Hier handelt es sich eher um eine küstenferne Variante des norddeutschen Labskaus. Komische Farbe, komische Konsistenz und riechen tuts auch nicht besonders.

Offenbar hat es meinen Jungs abrupt den Magen verschlagen, ein kurzer Blick aus dem Augenwinkel auf dem Weg ins Klo reicht aus, um mich mit „Hab keinen Hunger“ ins Bild zu setzen. Als ich den miesepetrigen Halbwüchsigen keine drei Minuten später den Vorschlag eines Spontanbesuches beim hiesigen Lieblingsitaliener mache, sind sämtliche Hungersnöte des 30jährigen Krieges in unserer Diele versammelt. „Oh Gott, ich fall` gleich um“ bricht es aus dem einen heraus und „Eine Hauptspeise wird mir wohl nicht reichen“ kommentiert der andere.

„Ah ja“ denke ich „So kann`s gehen“. Beim Italiener schaffen wir es gerade noch mittels wehleidigem Blick und der ultimativen Lobhuddelei auf die italienische Küche im Allgemeinen und die des Italieners im Besonderen, den Küchenchef zum Bleiben und vor allem zum Kochen zu überreden.

Und dann hat er erst mal viel zu tun, denn meine Jungs bestellen so, wie ich einkaufe, wenn ich kurz vor der kreislaufbedingten Ohnmacht stehe, nämlich wahllos. Selbst an Gemüsebeilagen wird nicht gespart. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr raus, als sie der begeisterten Bedienung erzählen, wie gerne sie den Spinat mögen mit dieser speziellen Zutat, na was ist es doch gleich… ach ja stimmt, Rosinen!

„ROSINEN“ , das sind doch die kleinen Teile, die IMMER, seit dieses Kind pulen kann, neben den mit viel Liebe und besten Zutaten von mir eigenhändig geklöppelten Rosinenbrötchen auf dem Teller liegen und darauf warten, wenigstens der heimischen Vogelwelt als Nahrung zu dienen.

Nach kurzer Zeit werden die Vorspeisen gebracht, ja auch daran haben meine Jungs gedacht und dann wird losgespachtelt. Köstlich, zumindest das, was ich abbekomme. Dann wühlen sie sich durch Pasta und Saltimbocca, vertilgen Tintenfischringe und laben sich am knackigen Salat. Aber bald beginnen die Kaubewegungen deutlich an Tempo zu verlieren, die Gabeln werden langsamer zum Mund geführt und immer weniger von den übervollen Platten nachgelegt.

„Ah ja, so hab` ich mir das gedacht. Da waren mal wieder die Augen größer, als der Magen, der Dünndarm, der Darm, na als der gesamte Bauch eben“ Doch statt diese innere Erkenntnis mit einem Ällalätsch-Blick lauthals an die Männer zu bringen, verkneife ich mir meinen mütterlichen Besserwisserkommentar und bitte die freundliche Bedienung uns doch mal eben die Reste einzupacken für zuhause.

Juhu, und schon weiß ich, was ich morgen kochen werde!