Großeltern – Die ultimative Lobhudelei

Kolumne von Eva Unterburg

Grafik: Günther Land

Wenn Sie das Wort „Großeltern“ hören, sehen Sie dann vor Ihrem geistigen Auge eine Frau reiferen Alters, die mit verklärtem Blick auf das Neugeborene in ihrem Arm schaut? Die sich vielleicht sogar fortwährend bei den Erzeugern dieses entzückenden Wesens bedankt für das große Glück Großmutter geworden zu sein?

Oder sehen Sie einen ergrauten Herrn in den besten Jahren bäuchlings vor seiner Modelleisenbahn liegen und dem begeisterten Enkel an seiner Seite die Unterschiede zwischen einer elektrisch angetriebenen und einer Dampflok erklären?

Oder denken Sie an Heidis vollbärtigen Opa, den kauzigen Almöhi? Vielleicht an Rotkäppchens wackere Großmutter im Bauch des Wolfes?

An eigene Ferien bei den Großeltern auf dem Land, prall angefüllt mit sommerwarmen Erlebnissen, an Kaulquappen und Lagerfeuer, an Kuchenbacken und Streifzüge durch die naheliegenden Wiesen und Felder? Vielleicht an Ausflüge in den Zoo, einige Extraportionen Eis und Gummibärchen, an viel Gelächter und endlos erscheinende Zeit?

Großeltern… das hat viel mit Bullerbü und Dawillichhin-Gefühl zu tun. Schließlich sind die Omis und Opas, die Opappas und Omammas, die Opilis und Omilis das Beste, was einem Kind passieren kann.

Sie sind die Verwöhner in der Familie, die alles dürfen und für ihre Extrawürste von den Erziehungsberechtigten der Enkelkinder oft genug leise verflucht werden. Sie sind die Mutmacher vor steilen Rutschen, die Ansporner am Spielfeldrand, die Bäcker von Plätzchenbergen, die Zuhörer in Pubertätsnöten, die Wertevermittler in schwierigen Freundessituationen, die Leibgerichtkocher, die Einspringer in Abholfragen, die Geschichten-von-früher-Erzähler und die Tröster in allen Lebenslagen.

Großeltern kennen so altmodische Dinge wie Einkochen und Gedichteaufsagen. Sie blättern mit den Enkeln in alten Fotoalben und seufzen ab und zu ein melancholisches „Wir hatten ja nichts“ oder ein verträumtes „Ja, früher war alles besser“.

Sie denken sich wilde Geschichten aus um Gretel und das gefräßige Krokodil und lassen den Küchentürrahmen zur begehrten Kasperlebühne werden.

Sie geben Tipps, gefragt und ungefragt, was die Kindererziehung angeht. Sie kennen alte Volksweisen und trällern mit ihren Enkeln „Der Mai ist gekommen, die Bäume schlagen aus“. Sie lassen die Kleinen auf ihren maroden Knien hopsen und spielen „Engele flieg“ im Park. Sie werkeln im Schrebergarten und legen den Enkeln Kinderbeete an mit Mohrrüben und Brunnenkresse.

Sie beobachten nächtens die Sterne und sehen die Schlafenszeiten der Kinder sehr entspannt.

Sie vermitteln Geborgenheit, spielen stundenlang Halma und lauschen geduldig den aufgeregten Schulerlebnissen.

Sie kämpfen mit den Allergien ihrer Enkel, besonders nach ausgiebigem Dachbodengestöbere und rufen dann beunruhigt die Eltern an, auch mitten in der Nacht.

Sie kennen die Spielregeln von Mau-Mau und Schnauz. Sie lassen Geschichte lebendig werden und machen Ausflüge ins Heimatmuseum. Dort erklären sie, dass man Eggen zum Kleinkrümeln des Ackerbodens benutzt hat und was mit Kartoffelkäfern nach dem Sammeln passiert.

Sie warten auf einen Anruf aus der Ferne und machen beim Skypen lustige Reimspiele mit Fingerpüppchen.

Sie bewegen sich unfreiwillig viel, wenn die Enkel da sind, vor allem rauf und runter, nach vorne gebeugt und in den Knien. Sie haben einen guten Chiropraktiker und tragen Kniebandagen.

Sie verschieben ihre Pilatesstunde und den Vhs-Kurs, wenn Not am Mann, bzw. Kind ist.

Sie lassen sich ein Loch in den Bauch fragen und wissen Antworten auf „Wo ist Piepsi jetzt?“

Sie nehmen ihre Enkel mit in den Urlaub und verschaffen den Eltern das Seltenste, was man Eltern verschaffen kann, nämlich Zeit für sich. Ein Hoch auf solche Großeltern!

Ich schließe mich dem neulich gelesenen Spruch „Großeltern sind die mit den silbernen Haaren und den goldenen Herzen“ an und lasse mir schon mal die Haare grau nachwachsen. Wer weiß, vielleicht hilft`s ja….