Eva Geiger kümmert sich seit 15 Jahren um an Leukämie erkrankte Kinder

"Man braucht diese guten Momente“

Eva Geiger im Gespräch mit Agnes Schulze

Seit 15 Jahren ist Eva Geiger Wunschfee bei der Deutsche Leukämie­ Forschungs­ Hilfe ­in Mannheim. Ein bis zwei Mal wöchentlich schaut sie auf der Kinderkrebsstation des Uni­ Klinikums in der Quadratestadt vorbei, um die dortige Wunschbox zu leeren. Darin finden sich Herzenswünsche der kleinen Patienten und ihrer Geschwister – vom kuscheligen Schlafanzug bis zum Tandem­ Fallschirmsprung. Sobald sie die Box geleert hat, geht die Arbeit für die ehrenamtliche Helferin erst richtig los.

Frau Geiger, wie kann man sich Ihre Arbeit vorstellen?

Eva Geiger: Zunächst einmal bin ich ein bis zwei Mal in der Woche auf der Station, bringe den Kindern die gewünschten Geschenke und erzähle den neuen Kindern und ihren Familien von der Wunschbox. Davon, dass sie sich etwas wünschen können, ganz egal was. Ich sage ihnen, dass es im Grunde keine Beschränkung gibt, aber dass die Wunscherfüllung von Spenden abhängig ist und davon, ob er sich in der Praxis realisieren lässt. Ich sage ihnen aber auch, dass wir bislang nur einen Wunsch in 15 Jahren nicht erfüllen konnten.

Welchen?

Eva Geiger: Ein Treffen mit dem Schauspieler Orlando Bloom.

An einigen Wünschen arbeiten Sie sich wochenlang ab. Wie viel Nähe entsteht da zu den Kindern und ihren Familien?

Eva Geiger: Zu den Kindern und Familien auf der Station entstehen ganz unterschiedliche Beziehungen. Einige blocken den Kontakt anfangs ab, möchten keine „Almosen“ annehmen oder sind viel zu sehr mit dieser schwierigen Lebenssituation beschäftigt, was natürlich völlig nachvollziehbar ist. Zu vielen anderen entwickelt sich aber ein enges Verhältnis. Insbesondere auch in Zeiten, in denen es den Kindern schlechter geht.

Nimmt man diese Schicksale mit nach Hause?

Geiger: Immer.

Wie hält man das als Mensch aus?

Eva Geiger: Manchmal gar nicht. Es trifft mich immer noch, nach so vielen Jahren. Ich dachte, mit der Zeit könnte man es besser verkraften, das ist leider nicht der Fall. Aber das gehört auch dazu. Man muss immer versuchen, sich zu motivieren, weiter zu machen, trotz allem positiv zu bleiben.

Wie machen Sie das?

Eva Geiger: Es gibt ein Ritual auf der Station: Wenn ein Kind seine Akuttherapie beendet hat, darf es an einer großen Glocke klingeln. Dieses Klingeln ist auch für die anderen Kinder ein starkes Symbol fürs Weitermachen. Und dann unsere Sommerfeste, auf denen man die gesunden Kinder wieder trifft. Manchmal erkenne ich sie nicht, weil sie wieder zugenommen haben und so gesund aussehen. Sie haben wieder Haare. Sie können endlich wieder Kind sein. Man braucht diese guten Momente.

Zur Person:

Eva Geiger ist 60 Jahre alt, verheiratet und hat einen Sohn. Sie unterstützt die Deutsche Leukämie­Forschungs­Hilfe in Mannheim seit 18 Jahren ehrenamtlich, seit 15 Jahren erfüllt die gelernte Bankkauffrau die Wünsche von krebskranken Kindern und ihren Geschwistern – etwa 100 pro Jahr. Mit ihrem Mann Robert Geiger ist sie außerdem mit dem Info­Stand der Leukämie­Forschungs­ Hilfe in der Region unterwegs, um die Arbeit des Vereins noch bekannter zu machen.

Geschrieben von Agnes Schulze, ehrenamtliche Mitarbeiterin der DLFH OV Mannheim e.V.

Infos und Kontakt zur Deutschen Leukämie­ Forschungs ­Hilfe – Aktion für krebskranke Kinder – OV Mannheim e.V..
Telefon: 0621/33 821 33,
info@krebskranke­kinder.de
www.krebskranke­ kinder.de
IBAN für Spenden: DE93 6705 0505 0038 0038 01