Editorial Januar 2018

Editorial von Christoph Winter

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

ein ereignisreiches Jahr neigt sich dem Ende zu. Rein gefühlsmäßig war genau dieses Jahr für mich eines der am schnellsten vergangenen. So rasant, dass mir ein ICE wie ein „Lummerlandexpress“ vorkommt. Einen Schuldigen für diese temporeiche „Fahrt“ habe ich auch schon ausgemacht. Das Alter. Das Bahnticket bekam ich mit der Geburt geschenkt. Einmal eingestiegen, stellt man irgendwann fest, dass es sich hier um ein „One-way-Ticket“ handelt, Umtausch ausgeschlossen. Nein, eine Rückfahrkarte gibt es nicht, geschweige denn einen Bahnhof. Kurze Pause gefällig? Keine Chance. Erst fährt man gaaanz langsam los, so langsam, dass man meint, nebenher laufen zu können. Doch dieser Zug ist einer, der mit der Zeit an Geschwindigkeit zunimmt und nicht mal eine Notbremsung zulässt. Kindergarten, Schule.

Ach ja, da fällt mir ein, während der Schulzeit schien mir der Zug wieder an Geschwindigkeit zu verlieren. Wann werde ich endlich 18? Der Führerschein muss her. Kein Kaugummi konnte so lange gezogen werden wie das Warten auf die Volljährigkeit. Dann wird wieder Fahrt aufgenommen. Schulabschluss, Ausbildung oder Studium, Job und ehe man sich versieht, ist auch schon der Nachwuchs da. Und der Zug? Dreimal dürfen Sie raten. Der Nachwuchs ist mittlerweile volljährig, das Enkelkind noch nicht. Ja, ja, ich weiß, nur eine Frage der Zeit. Wie bedeutsam werden plötzlich Klassentreffen. Hier kann man übrigens genau erkennen, ob man sich noch gut gehalten hat. Wer hat schon graue Haare, wer das runde Ding, das mittlerweile zuerst durch die Tür kommt, einen Bauch. Okay, geht noch. Weiter geht die Reise. Ü30, Ü40, Ü??. Die Nostalgie nimmt zu. Alte Schallplatten (die Runden schwarzen Dinger, die man auf einen Plattenspieler legte), werden ausgepackt, alte Fotos werden angeschaut, Ereignisse aus der Vergangenheit wiedergegeben.

Doch keine Bange, der Zug fährt trotzdem weiter. Aus dem Fenster zu schauen bringt schon lange nichts mehr, eine vermeintliche Landschaft ist nicht mehr zu erkennen. Die Schallmauer ist aber noch nicht durchbrochen. Ich habe erkannt, zumindest rein physikalisch betrachtet, dass, wenn ich im Zug sitzenbleibe, ich zumindest nicht noch schneller werde. Im Gegenteil, ich mutiere immer mehr zum Genießer der Augenblicke, mögen diese auch noch so schnell vergehen. Man wird unaufgeregter. Übrigens, mein Zug wird immer schöner. Ich habe angefangen, mich intensiver mit der Inneneinrichtung zu beschäftigen. Und was ist mit Ihnen? Ist heute schon gestern?

Ich und das gesamte RHEIN-NECKAR-KIND Team wünschen Ihnen eine gute „Reise“ in das Jahr 2018 mit dem höchstmöglichen Komfort, natürlich mit der neuesten Ausgabe Ihrer regionalen Elternzeitung RHEIN-NECKAR-KIND. Bleiben Sie uns treu. Noch ein kleiner Tipp. Auch als Großeltern macht es Sinn das RHEIN-NECKAR-KIND zu lesen. Denken Sie an Ihre Enkel!