Ein Hoch auf engagierte Lehrerinnen…

(und natürlich Lehrer, aber die kommen in dieser Stehgreif-Kolumne zufälligerweise nicht vor)

Kolumnistin Eva Unterburg

Gerade rief mich mein Verleger an und fragte vorsichtig, ob ich denn gedenke, gewillt sei, Muse und Zeit hätte… eine Kolumne zum Thema Lernen zu schreiben.

Gewillt immer, Muse sowieso, Zeit keine, aber dafür viele frei laufende Gedanken im Kopf. Also frisch auf ans Werk!

Als hätte ich etwas geahnt, führte ich in den letzten Wochen einige Gespräche privater Natur mit Lehrerinnen in den drei Phasen des Lehrerinnendaseins: Angehende, Gestandene und Pensionierte. An dieser Stelle erübrigt sich die Sternchen-Genderei, denn es waren tatsächlich nur Frauen.

Dabei taten sich interessante Gemeinsamkeiten auf und zwar alters- und erfahrungsübergreifend.

Zum einen gehören sie alle der von mir sehr geschätzten besonders begeisterungsfähigen und kinderliebenden Art von Lehrerinnen an. Es gibt ja schließlich auch einige andere, über die ich an dieser Stelle aber kein Wort verlieren möchte.

Zum anderen sind sie alle zunehmend angespannt durch Eltern, die ihnen haarklein vorschreiben zu können glauben, wie genau ihre Arbeit zu funktionieren hat. Im speziellen die Arbeit mit genau ihrem Kind. Nicht an ihrem Kind im Verbund der ganzen Klasse, nein eher so im Privatlehrermodus.

Was ich mir nicht unanstrengend vorstelle. Vor allem in Verbindung mit einem übersteigerten Selbstbewusstsein der Kindelein und einer ausgeprägten Mirdochsch…egal-Einstellung.

Wo genau soll das hinführen? Und vor allem, wem soll das eine gute Grundlage werden für alles Weitere, was im Leben noch so kommen mag?

Offenbar werden aus kleinen Schulalltags-Mücken im Nullkommanichts riesige Elefantenherden und die echten Probleme werden geflissentlich übersehen. Schade!

Und wenn dann noch immer diffisilere Vorschriften den Handlungsspielraum der Lehrerinnen verschlanken, stelle ich mir den Schulalltag längst nicht mehr so unkompliziert vor, wie zu meinen Zeiten.

Und da schließt sich der Kreis zu der dritten Gruppe der Gesprächspartnerinnen, den Pensionistinnen.

Sie konnten ihren Schülern noch ohne Probleme die aufgeschürften Knie mit einem Desinfektionsmittel und einem Pflaster verarzten ohne gegen geltendes Recht zu verstoßen.

Ja ich weiß, früher war nicht alles besser, aber zumindest in der Schule etwas gelassener. Das Abitur ist nämlich nicht sofort in Gefahr, wenn in der dritten Klasse für zwei Wochen der Deutschunterricht ausfällt. Aus langer Schulerfahrung diversester Familienangehöriger weiß ich: Kinder machen ihren Weg, wir dürfen sie dabei begleiten und ab und an unsere schützende Hand über sie halten, am besten ohne gleich mit dem Strafgesetzbuch zu winken.