Urlaub mit Kindern – Februar-Editorial 2019

Editorial von Christoph Winter

Liebe Leserinnen & Leser,

können Sie sich noch an den gemeinsamen Urlaub mit Ihren Eltern erinnern? Zu Zeiten, in denen Sie noch ein Kind waren und sich um Urlaubsplanungen, Reisekosten und Unterkunft keine Gedanken machen mussten? Je nach Alter fällt einem bestimmt noch die eine oder andere Reiseanekdote ein. Ich denke immer noch gerne an früher, wenn es um das Verreisen ging. Ich hatte das Glück – so meine Auffassung – dass meine Eltern relativ spontan in ihrer „Reiseplanung“ waren. So konnte es vorkommen, dass es sich nach einem Flammenkuchenessen mit Freunden im Elsass ergeben konnte, sich am nächsten Morgen zum Frühstück in Paris wiederzufinden. Ein kurzes Gespräch am Esstisch und schon war es beschlossen. Ein anderes Mal – wieder beim Flammenkuchen im Elsass – ging es spontan um eine Reise nach Portugal. „Hättet ihr Lust, gleich nach dem Essen loszufahren? Wir packen das Nötigste zusammen und ab geht es“. Für mich als Kind ein Abenteuer. Alles mit dem Auto und quasi sofort. Portugal war früher zieeeemlich weit weg und mit dem Flugzeug einfach zu teuer. Trotzdem ging es los. Mal hier und da anhalten, übernachten und weiter geht die gute Fahrt. Erinnern kann ich mich auch noch an einen Italien-Urlaub. Angekommen auf der Insel Giglio, hatten wir keine Unterkunft gefunden und mussten zunächst am Strand übernachten. Mein Vater hatte allerdings, die Wertsachen betreffend, Bedenken, diese in der Nacht unbeaufsichtigt zu lassen. Und so beschloss er, die Tasche mit allen Dokumenten, Geld, etc. unter dem Handtuch zu vergraben. Der nächste Morgen war einprägend. „Wo ist die Tasche“, lautete die erste Frage. Sie konnte einfach nicht mehr gefunden werden und so ging das „Gebuddel“ los.

Erinnern kann ich mich auch an eine Reise nach Rom, ebenfalls mit dem Auto, als wir tanken wollten. Mein Vater, „Großes Latinum“, hatte das Gefühl, dass die Zapfsäule wohl nicht so ganz korrekt geeicht war, und zwar zu unseren Ungunsten. Es war bemerkenswert, wie er verzweifelt versuchte, dies dem Tankwart (ja so etwas gab es früher noch) auf Lateinisch klar zu machen. Meine Mutter und ich haben uns kaputtgelacht, natürlich möglichst unbemerkt. Ich könnte noch viele Dinge über unsere Urlaube erzählen, aber dazu reicht der Platz nicht aus und zudem wollte ich einfach nur darauf hinweisen, dass „Reisen mit Kindern“ – so auch unser Themenschwerpunkt in dieser Ausgabe – für die Kinder ein einprägsames Erlebnis sein kann, wenn es der Zufall will und/oder man sich als Familie damit auseinandersetzt, wie der zukünftige Urlaub kindgerechter gestaltet werden könnte, ja sie in die Planung einbezieht. Urlaub sieht heute anders aus als früher und ich muss zugeben, dass die Spontanität von gestern einfach nicht mehr die von heute sein kann. Die „großen Reisen“ mit dem Auto gehören doch eher der Vergangenheit an. Man fliegt jetzt häufiger. Aber der erste Flug wird Ihrem Kind bestimmt im Gedächtnis bleiben. Machen Sie was draus. Übrigens: die vergrabene Tasche auf der Insel Giglio wurde gefunden.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen wie immer viel Spaß beim Schmökern Ihrer neuen Ausgabe RHEIN-NECKAR-KIND und selbstverständlich eine gute Reise zu Ihrem zukünftigen Urlaubsort.

Christoph Winter