Mehr Gretas braucht die Welt. Editorial April 2019

Editorial von Christoph Winter

Liebe Leserinnen und liebe Leser,

einmal abgesehen vom Brexit, ist momentan das Thema „Fridays For Future“ in aller Munde. Man kann darüber streiten wie man will, jedenfalls stünde ein gesundes Umweltbewusstsein jedem gut zu Gesicht, angefangen bei sich selbst.

Worauf ich aber hinaus möchte, ist doch u.a. die Frage, ob es denn in Ordnung geht, dass die Schülerinnen und Schüler für eine Demo dem Unterricht fern bleiben? Ich meine „ja“, denn durch diese Aktion haben die Kinder und Jugendlichen bereits eines erreicht, und das ist Aufmerksamkeit.

Vielleicht wird der Eine oder die Andere die so entstandene „unterrichtsfreie“ Zeit nicht zum Demonstrieren nutzen, aber man darf auch nicht vergessen, dass die junge Generation durchaus politisch, wissbegierig und idealistisch ist. Viele der Demonstrierenden sind gern bereit, nicht nur Unterricht zu versäumen, sondern auch Strafen in Kauf zu nehmen, um für ihre Sache einzutreten. Wenn meine Tochter noch zur Schule ginge, würde ich das unterstützen!

Die große Mehrheit der Schülerinnen und Schüler meint es ernst mit Ihrem Vorhaben, uns, den „Altvorderen“ umwelttechnisch auf die Finger zu klopfen. Viele Politiker und Unternehmer lassen unseren Planeten ausbeuten, und das nach wie vor rücksichtslos, nur um den Haushalt, bzw. die Aktionäre zu befriedigen, und natürlich die eigene Tasche nicht zu vergessen. Haben die denn alle keine Kinder?

Laut einer wissenschaftlichen Untersuchung bräuchten wir schon 1,7 Erden um den Ressourcenverbrauch zu kompensieren. Wir leben quasi jetzt bereits auf Pump. Umso erstaunlicher, dass so viel über die zukünftige Besiedlung des Mars gesprochen wird, anstatt sich um den eigenen Planeten zu kümmern. Der Mars besitzt außer möglichen Ressourcen für die Industrie ansonsten nichts außer Sand und Staub. Atmen kann man dort auch nicht und Häusle bauen fällt auch aus. Andere „Grüne Welten“ – sofern sie existieren sollten – sind momentan auch nicht erreichbar. Der Klimawandel ist angekommen, auch wenn manche das Gegenteil behaupten. Da die „Älteren“ nicht auf die Straße gehen, unterstützen wir zumindest alle Schülerinnen und Schüler, die dies tun, auch wenn ich mir vielleicht mit solch einer Ansage die Finger verbrennen könnte. Aber diese Aussage ist schließlich auch die Meinung unserer Bundeskanzlerin.

Das Thema dieser Ausgabe lautet übrigens „Familie & Gesundheit“. Ohne eine gesunde Erde auch keine Gesundheit und letzten Endes auch keine Familien mehr. Mehr Gretas braucht die Welt. Sollten wir nicht alle ein bisschen „Greta“ sein?

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen wie immer viel Spaß beim Schmökern Ihrer neuen Ausgabe RHEIN-NECKAR-KIND.

Ihr

Christoph Winter