Kindgerecht wohnen – Editorial im September 2019

Editorial von Christoph Winter

Liebe Leserinnen und liebe Leser,


d
ieses Mal lautet das Schwerpunktthema „Kindgerecht wohnen“. Spontan fiel mir hierzu das Hochbett meiner Tochter ein. Irgendwie war es damals, als unsere Tochter noch kleiner war, ein Thema in unserem Haushalt. Das Problem war allerdings das damals noch recht spärlich vorhandene Kleingeld. Als Studenten konnten wir uns diese „Extravaganz“ einfach noch nicht leisten. So sprach man mit Bekannten und Familienangehörigen, um zu eruieren, ob denn eventuell ein gebrauchtes zur Verfügung stand. Klar, man hätte auch selbst eins bauen können, doch wer handwerklich nicht gerade eine Koryphäe ist, sollte lieber die Finger davon lassen. So ergab es sich, dass gerade Sperrmüll war und ein Freund anrief, um uns mitzuteilen, dass er eines, noch recht gut erhalten, gesehen hätte. Noch schnell die Straße mitgeteilt wo das vermeintliche Hochbett lag, und schon waren wir unterwegs, um es uns ja nicht wegschnappen zu lassen. Dort angekommen mussten wir leider feststellen, dass es ursprünglich ein „Doppeldeckerbett“ (zwei Betten übereinander) war und nur noch der obere Teil zur Verfügung stand. Im Prinzip war es also nur ein einfaches Bett, das nur noch in die Höhe musste. Die Leiter war auch noch vorhanden, also alles in allem eine gute Grundvoraussetzung. Zu Hause angekommen, die Tochter war begeistert, allerdings mit dem Wermutstropfen, dass es noch kein Hochbett war. So kam mir die Idee, einen Schreiner in der Nähe anzurufen und ihn zu fragen, ob er denn nicht vier zusätzliche Beine, die der Erhöhung des Bettes dienen sollten, herstellen könnte. Es hat dann alles und vor allem sehr kostengünstig geklappt. Hauptsache das Kind war glücklich, die Eltern natürlich auch. So gingen die Jahre ins Land und das Hochbett wurde zu einem nervigen „immer-die-Leiter-rauf-und-runter Bett“. Als dann der nächste Sperrmüll vor der Tür stand, stellten wir es auf die Straße, in der Hoffnung, dass es vielleicht wieder einen kleinen Kindheitstraum erfüllen würde. Ich vermisse den früheren Sperrmüll. Man konnte quasi auf der Straße flanieren und durchaus noch das ein oder andere interessante Möbelstück, das noch gut in Schuss war, für sich entdecken und weiter verwenden. Heute wird alles systematisch abgeräumt oder man muss den Müllwagen bestellen. Schade eigentlich, war es doch wie eine Art öffentlicher Flohmarkt ohne Bezahlung. Und man konnte seinen Kindern fast kostenlos noch eine Freude machen. Sich selbst natürlich auch ;-).

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen
wie immer viel Spaß beim Schmökern
in Ihrer neuen Ausgabe RHEIN-NECKAR-KIND.

Ihr

 

„Nostalgiker“ Christoph Winter (Redaktionsleiter)