Wenn sie flügge werden

Editorial im Mai 2014

Liebe Leserinnen & Leser,

nach etlichen Jahren RHEIN-NECKAR-KIND kann ich Ihnen keine aktuellen Erlebnisse aus dem Kindergarten oder der Grundschule mehr erzählen. Aber ich kann Ihnen aus eigener Erfahrung und dem Leben gleichaltriger Freunde schon mal ein kleines Bild entwerfen, wie es wenige Jahre später weitergehen könnte.
Irgendwann werden die Abende nämlich ruhiger. Sehr ruhig. Aber auch sehr aufgeräumt. Die Kinder sind ausgezogen.

Sie als Eltern haben den Eindruck, dass die lieben Kleinen (die sie immer irgendwie bleiben werden) noch lange nicht flügge sind. Sie sind dennoch ausgezogen, machen eine Ausbildung oder studieren und stehen jetzt mitten im Leben. Am Anfang kommen dann noch die Fragen wie „Papa, kannst Du mal…“ oder „Papa, hast Du mal…“ Man bemüht sich, etwas entnervt zu wirken, freut sich aber königlich, gefragt zu werden und meist auch helfen zu können. Aber bald werden die Wirkungsstätten der Kinder entfernter, die Besuche seltener.

Dann beginnt die Phase, in der wir gerade stecken. Man schmunzelt fröhlich, wenn wieder überall in der Wohnung Klamotten verstreut herumliegen, wenn im Bad nach langer routinierter Ordnung wieder sämtliche Schubladen und Schranktüren offen stehen, weil das Kind zu Besuch da ist und man vor lauter Gequatsche mal wieder erst um drei ins Bett kommt. Wenn man dann nicht zu aufgedreht ist und erst noch – wie ich gerade – ein paar Zeilen schreiben muss um Ruhe zu finden.
Dann denkt man unweigerlich darüber nach, wie schnell die Zeit vorbeiging, in der die Kinder klein waren; welch große Sorgen sich relativiert haben und immer auch, ob man wohl alles richtig gemacht hat. Sie werden sicherlich – wie ich auch – zu dem Schluss kommen, nicht alles richtig gemacht zu haben…
Schließlich fängt man an, über die Zukunft nachzudenken. Wird die Ausbildung oder das Studium erfolgreich abgeschlossen werden? Wird das Kind in seinem Beruf Erfüllung finden? Wird der Kontakt so herzlich und eng bleiben? Haben wir alles getan, damit diese Fragen – idealerweise bald – zu einer positiven Antwort führen?

„Kaiser“ Franz Beckenbauer würde sagen „Schau’mer mal“. Und recht hat er. Wir können nur die Weichen auf „freie Fahrt“ stellen, die Lok müssen die Kids irgendwann selbst führen. Wie’s weiter geht – ich werde Sie auf dem Laufenden halten…

Genießen Sie den „Wonnemonat“

und natürlich viel Spaß beim Schmökern

in Ihrem neuen RHEIN-NECKAR-KIND

Ihr Karl Goerner