Deutschland: Zwischen Angst und Offenheit

Editorial unseres Herausgebers Karl Goerner

Inhaber Rhein-Neckar-Kind Karl Goerner

Liebe Leserinnen und Leser,

1933 wäre Hitler nicht an die Macht gekommen, wäre nicht eine verängstigte bürgerliche Gesellschaft der Meinung gewesen, ein im Versailler Vertrag geknechtetes Deutschland retten zu müssen – notfalls auch durch einem Pakt mit dem Teufel. „Hitler ist das geringere Übel!“ war damals die Aussage der Politiker im Reichstag. Die bauernfängerischen Parolen der Nationalsozialisten holten lautere Menschen in ihrer Unsicherheit und Angst ab und läuteten einen Siegeszug der Nazis ein…

Auch heute haben sehr viele Deutsche Ängste vor Überfremdung und einer scheinbar drohenden Islamisierung. Auch heute sind viele Menschen unsicher, wie ihre eigene Zukunft aussieht. Das ist nicht nur zu gut verständlich. Jeder von uns macht sich Sorgen um seine Zukunft und noch mehr um die seiner Kinder. Und spätestens seit 1989 wissen wir, dass es sich lohnt, für den Wunsch nach Veränderung auf die Straße zu gehen.

Die heutige Situation scheint mir aber mehr der von 1933 zu gleichen als der von 1989! Deshalb stimme ich diesmal auch mit unserer Kanzlerin überein, wenn sie reklamiert, dass PEGIDA-Demonstranten nicht das Recht zustehe, „Wir sind das Volk“ zu skandieren. Sie müssen aber das Recht haben zu demonstrieren, wie unsinnig die meisten ihrer Aussagen auch sein mögen! In einem Deutschland, das Religionsfreiheit im Grundgesetz verankert hat, gibt es neben christlichen Kirchen aller Ausprägung auch wieder Synagogen. Es gibt buddhistische und hinduistische Tempel  – und auch Moscheen. Und das ist gut so! Wieso lernen wir nicht aus der Geschichte?

Und noch ein Wort zum brutaler Massaker in Paris: Ja, auch wir sind Charlie! Wo immer die Pressefreiheit bedroht ist, ist auch das kleinste Ortsblättchen bedroht. Die Pressefreiheit, die Religionsfreiheit und die Demonstrationsfreiheit sind Werte, die es zu verteidigen gilt.

Wir wünschen Ihnen und Ihren Lieben trotz trauriger Ereignisse und unschöner Entwicklungen einen fröhlich-ereignisreichen Monat. Schauen Sie mit uns optimistisch in die Zukunft und haben Sie zunächst einmal wieder

viel Spaß beim Schmökern!

Ihr Karl Goerner