Cool am Pool…

Was liest man nicht alles im Zusammenhang mit dem Wort „Pool“: Schlägereien im Freibad, einstürzende Balkone, Urlaubshorror im Hotelpool.

Streitet man sich im öffentlichen Freibad um die Kubikmeter umgebenden Wassers oder um den halben Quadratmeter Stehfläche im Wellenbad? Oder geht es um hässliche Badebekleidung, komische Arten zu schwimmen oder sind das vielleicht Übersprungs-handlungen mit ganz anderen Ursachen? Und wie kommt man darauf, seinen Stadtbalkon am Altbau in eine beschwimmbare Wasserlandschaft verwandeln zu wollen? Brennen da im Angesicht des blauen Kartons im Baumarkt und dem Geruch nach Latex sämtliche Sicherungsvorrichtungen im Gehirn durch, sodass der letzte Rest physikalischen Grundverständnisses verloren geht? Oder liegt die Ursache einfach in den manchmal furchtbar unerträglichen Temperaturen bei Tag und Nacht? Und die Sache mit den Hotelpools an den verschiedensten Ecken der Welt, wo man offenbar im Geiste davon ausgeht, dass der deutsche TÜV auf magische Weise vor Ort ist und sämtliche fehlenden Gitter und losen Fliesen überprüft hat.

Sehr merkwürdig das alles. Da lobe ich mir unser Sammelsurium im Keller, das allsommerlich darauf wartet, unter Ächzen aus dem Dunkel ans gleisende Sonnenlicht gezerrt zu werden, wo Gestänge auf den Rasen gekippt und allerlei dicke Plastikschläuche entwirrt werden.

Idealerweise vor dem Einsetzen der allergrößten Sommerhitze, die man ja eher im Wasser ertragen möchte, als aufbauenderweise im nassgeschwitzten Zustand.

Aus allerlei Gründen hat bei uns dieses Jahr nur letzteres geklappt und zwar am nachweislich heißesten Tag des bisherigen Jahres.

Zäh wie Bauarbeiter an der A5 (so man dort welche sieht) schleppten wir bei brennender Zenitstellung der Sonne das komplette Equipment an den Ort des Geschehens, einem kreisrund mit Resten von widerstandfähiger Teichfolie ausgelegten Ort am Ende unseres Gartens, um dann festzustellen, dass sich dort über Winter eine hartnäckige Schicht aus allem gebildet hat, was Bäume und Sträucher der Nachbargärten so alles abwerfen können. Stunden und etliche Gänge unter die Gartendusche später, war zumindest die Teichfolie wieder sichtbar und die Aufbauerei meines liebsten Geburtstagsgeschenkes aller Zeiten konnte losgehen. Selten war eine Frau vermutlich Jahre lang glücklich über ein und dasselbe Geschenk. Mein Mann könnte sich eigentlich zurücklehnen und lediglich beim jährlichen Aufbau des Pools an jene noble Geste vor sechs Jahren erinnern, es würde mir völlig reichen – auch für die kommenden Geburtstage.

Wieder Stunden und einige abgebrochene weil mürbe gewordene Halterungsbolzen später, rückte der ersehnte Moment des ersten Wassereinlassens immer näher. Ein kurzes Rauschen, dann bäumte sich der Gartenschlauch auf und schon plätscherte es erfrischend auf den Plastikboden des fast bedrohlich tief erscheinenden leeren Poolrunds. Welche Freude! Sobald auch nur eine Handbreit an Wasser erahnbar war, wälzte ich mich wie ein Hausschweinchen im kühlen Glück.

Und kühl war es tatsächlich, denn was da aus dem Hahn kontinuierlich die nächsten Stunden rausfloss, hatte noch nicht einmal Ostseetemperatur im Frühling.Viele Stunden später war es dann tatsächlich soweit und ich musste mich doch sehr zusammenreißen, um nicht nach amerikanischer High-School-Manier in hysterisches Gekreische auszubrechen beim ersten Eintauchen ins erfrischende Nass.

Und seither ist dieser Gartenpool mein steter Begleiter, selbst im Geiste. Kein noch so heißes Bahnabteil, keine beschwerlichen Treppen oder stickigen Innenräume können mich mehr bezwingen, denn zuhause wartet ja die Wunderwaffe Pool auf mich. Allerdings ähnelt die Wassertemperatur an manchen Tagen einer wohltemperierten Badewanne und mit der Abkühlung ist es nicht mehr so weit her.

Ökologisch ist das Teil einigermaßen vertretbar, denn immerhin füllen wir beim tagelangen Ablassen des Wassers im Herbst den Grundwasserspiegel unserer Region auf einen Schlag um sicher messbare Mengen auf.

Nun muss ich aber schließen, denn Sie ahnen es, es wird dunkel und ich will noch schnell in den Pool…