Bücherschwemme

Kolumne von Eva Unterburg

Bücherschwemme, Grafik Günter Land

Neulich erreichte mich ein Brief aus echtem Papier mit handschriftlicher Unterschrift. Ein Autor schreibt dort von seiner Verlagsgründung und freut sich: „Endlich gibt es darum nun einen Verlag für unverkäufliche Bücher. Das wurde auch Zeit.“ Ich stimme ihm vollkommen zu, ganz besonders nach der Lektüre seines sehr witzigen und einfühlsamen Kinderkrimis, der in der nächsten Ausgabe des Karlsruher-Kindes zu Ehren kommen wird. Selbst ist der Verleger, ganz nach dem Motto, wer nicht will, der hat schon.

Ich habe schon lange mit Büchern zu tun, als gelernte Buchhändlerin und während meines Studiums sowieso. Danach folgten Tonnen von gemeinsam betrachteten und tagelang vorgelesenen Kinderbüchern, ebenso viele Tonnen nächtelang verschlungener Schmöker und jede Menge Fachliteratur für die Museumsarbeit.

Als vor beinahe genau zehn Jahren unsere Freundin Petra Pfattheicher fragte, ob ich denn Lust hätte kurz mal eben die Buchbesprechungsseiten im KaKi ehrenamtlich zu übernehmen und der geneigte Verlegerfreund die Idee auch gar nicht so verkehrt fand, ahnte ich noch nicht, mit welcher Bücherschwemme ich es zu tun haben würde. 

Man kann schon kurzatmig werden angesichts der vielen lesenswerten Titel, die zweimal im Jahr von unzähligen Verlagen neu auf den Markt gebracht werden. Dann gilt es schwere Stapel von Prospekten durchzuarbeiten und die sogenannten Rezensionsexemplare zu bestellen. Die sind kostenlos und mit der Bitte um eine Buchbesprechung verbunden, die den Titel bekannt machen und bewerben soll. Täglich flattern zusätzlich zahlreiche Mails in meinen elektronischen Briefkasten, die Neuheiten anpreisen, ebenfalls mit der Bitte um Berücksichtigung im Karlsruher-Kind.

Sind dann alle Bücher bestellt,  ist  für mich Weihnachten, also zweimal pro Jahr mit dem echten sogar dreimal.

Bücher riechen gut, wussten Sie das? Gut, nicht alle. Manche riechen wie die farbgiftigen Fernostkleidungsstücke aus einem Eineuroladen, aber im Allgemeinen ist das Sortieren der Stapel ein Fest für die Sinne. Meiner Sinne natürlich. Mit dem Einsortieren in mein Bücherregal beginnt ein emotionales Auf- und Ab, denn mit jedem neuen Buch muss aus Platzgründen natürlich ein altes weichen. Dummerweise fühlen sich die alten noch gar nicht alt an, so frisch und ungelesen, wie sie vertrauensvoll aneinandergeschmiegt an ihren angestammten Plätzen stehen. Dann wird innerlich abgewogen, Klappentext für Klappentext verglichen und schließlich ist es wie bei Germany`s next Topfmodel „Ich habe heute — leider—- kein“ Na ja sie wissen schon, die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Wenn ich sie wenigstens essen könnte… Obwohl, so manches Buch würde ich mir  sicherlich etwas schwer im Magen liegen. Das sind die liebevoll mit Widmungen und Stickern versehenen literarischen Freundlichkeiten, die unaufgefordert das Karlsruher-Kind erreichen und die ihre Leserschaft sicherlich innerhalb der eigenen Familie und dem Freundeskreis finden, aber eben nicht außerhalb. 

Allmonatlich dürfen eine kleine Auswahl von gerade mal acht Büchern den Besprechungsolymp erklimmen, sie kommen mir vor wie Waisenkinder aus einem Oliver-Twist-Roman, die endlich von einem netten Ehepaar adoptiert wurden. Die Verlage freuen sich über jedes Belegexemplar und ab und an kommt eine Anfrage, ob sie zu Werbezwecken den Wortlaut der Rezension auf ihrer Internetseite oder im Verlagsprogramm widergeben dürfen. „JAAAA, aber klar doch, schreibe ich gönnerhaft zurück. Passiert doch ständig..!“ Das sind kleine, ach was sage ich große Glücksmomente. Auch wenn sich Autoren melden und bedanken, das macht mein bücherüberbordendes Herz froh. Zehn Jahre Buchbesprechungen, zwölf Jahre Kolumne – die früher noch Glosse hieß, was aber all zu sehr nach Gosse klingt, fanden wir – Ich schreibe gerne für das Karlsruher-Kind und besuche die immer gutgelaunten Zeitungs-Macher gerne, denn in ihrer Küche oder auf dem Balkon ist immer ein Plätzchen für mich frei.